Capella Sanctae Crucis Dresden | „Der italienische Buxtehude“ | 2. Mai 2026
7. Mai 2026
„„Cantate Domino – Singet dem Herrn ein neues Lied“ hieß es in der Kreuzvesper mit der Capella Sanctae Crucis Dresden. Kreuzorganist Holger Gehring hatte mit seinem Ensemble Motetten und Geistliche Konzerte von Heinrich Schütz und Dieterich Buxtehude ausgewählt.
Der Einzug begann ungewöhnlich dunkel mit den kräftigen Farben der Bassregister von der Orgelempore, denn Buxtehudes Praeludium, Fuga und Ciacona C-Dur (BuxWV 137) stellt den tiefen, dominierenden Tönen zunächst nur ein paar helle Einwürfe entgegen, die aber an Gewicht gewinnen, ein Gegengewicht werden. Statt den Einzug schreitend oder dynamisch zu begleiten, stellte ihn Gehring, mit dem fröhlichen Klingen des Zimbelsterns am Ende, wieder einmal erhellend dar.
Capella Sanctae Crucis Dresden mit Musik von Dieterich Buxtehude
Buxtehude war in dieser Vesper gleich mehrfach als fortschrittlicher „Italiener“ zu erleben, obwohl er selbst nicht zu einem Studienaufenthalt oder ähnlichem in Italien verweilte. Allerdings war Buxtehude ein fortschrittlicher Komponist, der sich für die damals modernen Werke von Kollegen, unter ihnen Italiener, interessierte. Das spürt man vor allen in manchen Vokalwerken wie der Motette „Afferte Domino“ (BuxWV 2), die nicht nur unterschiedliche Linienführungen der beiden Soprane zeigte, sondern durch die individuelle Schönheit der Stimmen (Heidi Maria Taubert und Dorothea Wagner) sowie das Gegenüber mit dem Bass (Johannes G. Schmidt) gewann.
Mit Schütz‘ Kleinem geistliches Konzert „Ich will den Herren loben allezeit“ (SWV 306) blieb das Programm bei seinem grundsätzlichen Thema „Singen und loben“. Nun durfte Dorothea Wagner solistisch durch den Text wandeln – fünfmal „Alleluja“ bei neun Verszeilen sorgten für einen frohen, wiewohl konzentrierten Eindruck.

Mit „Ich danke dem Herrn“, einem weiteren Kleinen geistlichen Konzert (SWV 284) ließ sich das sogar steigern, denn neben Johannes G. Schmidt trat das konzertierende Ensemble hier deutlicher in den Vordergrund und kündigte mit einer Ciaconna-Figur die Wichtigkeit des folgenden Textes an. Statt wieder zu verweilen, gestaltete Schütz diesmal, auch in mehr Zeilen aufgeteilt, erzählerischer. Keine Pointe also, keine Zier der Arie, sondern den Bezug auf das Geschehen stellte der Bassist heraus.
Heinrich Schütz war ein weiterer über manche musikalische Grenze gehende Schwerpunkt in der Kreuzvesper.
Der Wechsel von Vokal- und Instrumentalmusik bot durchaus mehr als eine andächtige Folge von Botschaft und Kontemplation. Mit Buxtehude wandte sich das Programm sozusagen wieder den italienischen Studien zu. Die Sonata F-Dur (BuxWV 252) für Violine, Viola da Gamba und Basso continuo schien Gesangslinien zu folgen und stellte die teils sehr unterschiedlichen Streicher wunderbar gegenüber.

War die optimistische Botschaft hier verschlüsselt (oder als „Kryptotext“ enthalten), trat sie bei Schütz‘ „Herr, ich hoffe darauf“ (SWV 312) wieder offen zutage. Die beiden Soprane waren nun wieder in ihrer höchst individuellen Charakteristik zu erleben, das „Herr, ich hoffe“ wurde milde, also mit dem Nachdruck einer inneren Beteiligung, fast wie eine Anrufung dargestellt.

Das dem Titel zugeordnete „Singet dem Herrn ein neues Lied“ erklang danach in der Fassung von Buxtehude (BuxWV 98) mit Heidi Maria Taubert. Seine Motette „Cantate Domino“ (BuxWV 12) war demnach der musikalisch und thematisch krönende Abschluss, bot aber mit dem Trio aus Sopranen und Bass auch den größten Wohlklang – ein echter Lobeshymnus.“
05.05.2026 | Wolfram Quellmalz | DNN Kultur | „Der italienische Buxtehude“